Erdgas im Aufwärtstrend
46,6 Prozent der deutschen Haushalte wurden im Jahr 2003 mit
Erdgas beheizt. Von bundesweit 37,5 Millionen Wohneinheiten sind
das fast 17,5 Millionen - 300.000 mehr als 2002. Diesen neuen
Rekordwert veröffentlichte jetzt der Bundesverband der
deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW).
Auf der Wunschliste vieler Deutscher steht ein Eigenheim ganz weit
oben. Beheizt werden soll es mit Erdgas. 40,8 Prozent von mehr als
2000 Befragten entscheiden sich bei freier Auswahl für Erdgas,
21,5 Prozent favorisieren Fernwärme, 16,9 leichtes
Heizöl, 10,4 Strom und 5,6 feste Brennstoffe.
Der Bund verordnet Energiesparen
Eine alte Heizung im Keller? Dann aufgepasst! Denn die
Bundesregierung rückt den Kesselveteranen massiv auf den Leib,
denn sie verbrauchen unnötig viel Energie und Geld: mit der
Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) und der
Energieeinsparverordnung (EnEV). Bei der BImSchV gelten ab dem 1.
November 2004 neue Grenzwerte für Abgasverluste, die EnEV
beschäftigt sich mit dem Alter der Anlage – mit
möglichen Konsequenzen Ende 2006.
800 000 Heizgeräte entsprachen laut Zentralinnungsverband der
Schornsteinfeger im Jahr 2002 nicht den Vorgaben der BImSchV. Diese
Oldtimer haben noch eine Gnadenfrist bis zum 1. November:
Übersteigt der Abgasverlust zu diesem Termin elf Prozent,
stellt der Schornsteinfeger einen Mängelschein aus und es muss
modernisiert werden. Dieser Grenzwert gilt für jedes
Einfamilienhaus, bei größeren Anlagen sind die
zulässigen Normen noch niedriger. Doch keine Angst: Die
Schornsteinfeger notieren schon seit mehreren Jahren den
Abgasverlust. Ein rechtzeitiger Blick auf das Messprotokoll
verhindert also ein böses Erwachen.
Entspricht der Kessel der BImSchV, ist seine Existenz zumindest bis
Dezember 2006 gesichert. Danach müssen alle vor dem 1. Oktober
1978 installierten Heizgeräte laut Vorgaben der EnEV gegen
moderne Niedertemperatur- oder Brennwerttechnik ausgetauscht
werden. Ebenfalls erlaubt sind beispielsweise Wärmepumpen oder
regenerative Energien. Auch diese Verordnung hat ihre Berechtigung,
denn im Jahre 2001 waren 1,5 Millionen Heizungen älter als 23
Jahre. Das bedeutet geringe Energieeffizienz und damit hohe
Verbrauchskosten für den Benutzer.
Laut Zentralinnungsverband des deutschen Schornsteinfegerhandwerks
(ZIV) sind 1,7 Millionen Öl- und 1,3 Millionen Gasheizungen
älter als 18 Jahre. Diese Kesselveteranen verbrauchen
unnötig viel Energie und Geld. Der Bundesverband der deutschen
Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) empfiehlt, spätestens nach 15
Jahren über einen Kesseltausch nachzudenken. Auch staatliche
Vorgaben zur Heizungsmodernisierung nutzen nicht nur der Umwelt,
sondern auch der Verbraucher kann Energiekosten sparen.
Sicheres Erdgas?
Erdgas ist vielseitig, wirtschaftlich, bequem und schont die
Umwelt. Aber hören wir nicht immer wieder von Unfällen
mit Gas? Sie können auch in der Anwendung auf ein
Höchstmaß an Sicherheit vertrauen, wenn Sie als
Verbraucher mit Ihren Gasgeräten und -anlagen richtig umgehen.
Dichtheitsprüfung alle 12 Jahre
Am Erdgas-Hausanschluss liegt die Schnittstelle zur
Gasübergabe "für den Hausgebrauch" - und zugleich die
Schnittstelle der Zuständigkeit. Ab hier liegt die
Verantwortung für die Gas-Installation in den Händen von
Eigentümern und Mietern.
Vor der ersten Inbetriebnahme müssen alle Gasleitungen im Haus
auf Dichtheit geprüft werden - sonst wird der Anschluss nicht
freigegeben. Um auf Nummer Sicher zu gehen, sollten Eigentümer
oder Mieter diese Dichtheitsprüfung etwa alle 12 Jahre
wiederholen lassen. Natürlich von einem eingetragenen
Fachbetrieb!
Jahres-Check
Mit der richtigen Behandlung und der regelmäßigen
Hausschau sorgen Sie dafür, dass Ihre Gasanlage intakt bleibt
und Risiken gar nicht erst entstehen. Der Jahres-Check ist schnell
gemacht, und Sie brauchen dafür auch keine besonderen
technischen Kenntnisse und Fertigkeiten. Genaues Hinschauen
genügt!
Absperreinrichtungen dienen dazu, im "Falle eines Falles" oder bei
kurzfristiger Stilllegung von Gasanlagen die Gaszufuhr zu
unterbrechen. Die Haupt-Absperreinrichtung sitzt dort, wo die
Gasleitung durch die Wand ins Haus kommt. Halten Sie diese Absperreinrichtungen immer gut zugänglich. Denken Sie
daran: Im Notfall muss man ganz schnell dort heran, denn sie trennt
die gesamte Gasanlage von der Gaszufuhr ab..
Gasleitungen sind aus hochwertigem Material gefertigt, aber auch
hier kann der Zahn der Zeit nagen - vor allem in feuchten,
unbelüfteten Räumen, z.B. in Kellern oder
Waschküchen. Schauen Sie deshalb besonders genau hin:
Blättert irgendwo die Farbe ab? Da können Sie ruhig
selbst zum Pinsel greifen.
Sieht die Gasleitung angegriffen aus? - Vielleicht, weil von einer
Kaltwasserleitung darüber ständig Schwitzwasser
heruntertropft? Dann auf keinen Fall Do-it-yourself - rufen Sie den
Fachmann!
Inspektion und Wartung
Ihr Schornsteinfeger überprüft regelmäßig Ihr
Gasgerät und die Abgasanlage. Er sagt Ihnen, wann eine Wartung
notwendig ist. Falls erforderlich, sollten Sie umgehend Ihren
Installateur oder Heizungsbauer mit der Wartung beauftragen. Das
Gasgerät wird dabei gründlich gereinigt und ggf. der
Brenner neu eingestellt. Sind Teile abgenutzt, kann sie der
Fachmann sie vorsorglich gleich austauschen. So arbeitet Ihr
Gasgerät immer sparsam und zuverlässig - über lange
Zeit.
Der Initiativkreis Erdgas & Umwelt empfiehlt den Abschluss
eines Inspektions- oder Wartungsvertrages. Inspektionsverträge
werden für neue Heizungen abgeschlossen und umfassen die
regelmäßige Überprüfung des
Wärmeerzeugers, der Regelung und weiterer Komponenten.
Wartungsverträge sind für Anlagen gedacht, die bereits
seit einigen Jahren in Betrieb sind. Zusätzlich zur
Überprüfung werden diese älteren Heizkessel
gereinigt und nach Bedarf Klein- und Verschleißteile
ausgetauscht.
Ein Prüfprotokoll, welches Sie nach erfolgter Prüfung
Ihrer Gasinnenleitungen erhalten, beschreibt detailliert Art, Umfang
und Zeitpunkt der durchgeführten Überprüfung. Die
aktuellen Messwerte sowie eine abschließende Beurteilung
geben Auskunft über den Gesamtzustand der Anlage.
Mögliche Mängel werden dokumentiert. Anlagen ohne
Beanstandung erhalten ein Prüfsiegel, das sie als geprüft
und sicher kennzeichnet. Diese Dokumentation ist unerlässlich,
um im Schadensfall nachzuweisen, dass Sie als Hausbesitzer oder
Verwalter Ihren Obliegenheiten nachgekommen sind.
Wäsche trocknen mit Gas?
Heizen und Kochen mit Erdgas sind allgemein bekannt – 92,3
Prozent kennen die Erdgasheizung, 78,8 Prozent den Herd. Das sind
Topwerte, doch der Großteil der Erdgas-Anwendungen fristet
ein Randdasein. Dabei ist die Palette der Möglichkeiten
groß und weckt – ebenfalls ein Resultat dieser Studie
– durchaus reges Interesse. Hier einige Beispiele, für
die man Erdgas auch verwenden kann:
Wäschetrockner: Mit Erdgas betrieben trocknet
er etwa doppelt so schnell wie Stromgeräte, verursacht rund 48
Prozent weniger Kohlendioxid und verbraucht nur etwa ein
Drittel der Energie. Das reichte der Stiftung Warentest schon im
Jahr 2000, um einem Erdgastrockner als Testsieger das Gesamturteil
"Sehr gut" zu verleihen.
Kachelofen/Kamin: Wenn im Frühjahr und Herbst
nicht dauernd geheizt wird, bieten sich Kachelöfen und Kamine
an, weil dann nicht die komplette Heizungsanlage in Betrieb
genommen werden muss. Vorteile des Erdgasgerätes: Wärme
sofort verfügbar, keine Asche, wenig Säuberung, keine
Lagerung des Brennstoffs.
Sauna: Ein Erdgasofen heizt die Sauna schneller
auf als ein Elektrogerät, ist sehr gut regelbar und hat eine
hohe Energieeffizienz.
Terrassenstrahler: Ein sonniger, aber viel zu
kalter Tag lockt zum Entspannen in den Garten. Hier hilft der
Erdgasstrahler. Er liefert die wohlige Wärme zur guten Luft
und verlängert damit die Outdoor-Saison.
Grill: Kein Ruß, keine Asche, wenig Arbeit.
Und es besteht keine Gefahr, durch Rauchschwaden Ärger mit dem
Nachbarn zu bekommen. Das Warten darauf, dass die Kohlen
glühen, hat ein Ende: Die Hitze ist sofort da und gut
regulierbar.
Auto: Erdgas als Treibstoff ist nur etwa halb so
teuer wie Benzin. Weniger Kohlendioxidausstoß, weniger
Stickstoffoxide und Kohlenmonoxid, weniger Schwefeldioxid, sowie
Ruß- und andere Partikelemissionen bedeuten außerdem
weniger Belastung für die Umwelt. Inzwischen gibt es
bundesweit mehr als 360 Tankstellen, Tendenz steigend.
Sinnvoll ist es, eine Erdgas-Steckdose einzubauen, um diese
Vielfalt nutzen zu können. Für die Verlegung eines
Hausanschlusses oder die Installation von Leitungen nehmen Sie
bitte Kontakt mit dem lokalen Energieversorger oder dem
Fachhandwerk auf.
Quelle: Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH